Gene Key 18
Schatten: Urteil · Gabe: Integrität · Siddhi: Vollkommenheit
Human Design: Tor 18 · Milz-Zentrum · Kanal 58–18 · Partnertor 58
Programmierungspartner: Gene Key 17 · Meinung – Weitsicht – Allwissenheit
Es gibt Menschen, die einen Raum betreten und unmittelbar wahrnehmen, dass etwas nicht stimmt, wie z.B. eine Spannung zwischen zwei Menschen, die niemand anspricht. Oder ein System, das nach außen funktioniert und trotzdem an einer entscheidenden Stelle innen dysfunktional ist… Oder ein Widerspruch in dem, was jemand sagt. Oder z.B. eine kleine Verschiebung, die anderen gar nicht auffällt…
Der 18. Gene Key trägt genau diese Sensibilität in sich. Eine tiefe Wahrnehmungsfähigkeit für Fehler, Unstimmigkeiten und das, was aus der Ordnung geraten ist. Und genau darin liegt bereits seine besondere Begabung. Denn die Fähigkeit, einen Fehler zu sehen, ist Ausdruck einer sehr feinen Wahrnehmung dafür, wo etwas seine Integrität verloren hat.
Wenn allerdings diese Wahrnehmung mit einer Bewertung, einem Urteil verschmílzt, wird es problematisch.
Dann sehen wir nicht mehr nur, dass etwas nicht stimmt, sondern erleben das Falsche als etwas, das nicht da sein sollte. Der Partner müsste anders sein… Die Eltern hätten es besser machen müssen… Die Gesellschaft müsste vernünftiger sein… Ich müsste weiter sein… Bewusster. Erfolgreicher. Geheilter.
Und je feiner unsere Wahrnehmung für Unstimmigkeiten ist, desto mehr Material für Bewertung finden wir natürlich auch.
Vielleicht ist das eine der subtilsten Fallen persönlicher und spiritueller Entwicklung: Je mehr wir über unsere Muster wissen, desto raffinierter können wir uns selbst dafür in die Pfanne hauen.
Der 18er Gene Key führt uns dabei tief in die Jahre unserer Jugend. Ungefähr zwischen 14 und 21 beginnen wir ja, Autoritäten anders wahrzunehmen. Wir erkennen die Widersprüche unserer Eltern und anderer prägender Figuren, entwickeln eigene Maßstäbe und beginnen uns innerlich von der Welt zu lösen, die uns bis dahin Orientierung gegeben hat.
Das kann eine ziemlich schmerzhafte Schwelle sein. Denn wir entdecken ja nicht nur, dass unsere Eltern Fehler haben, sondern beginnen ja auch zu verstehen, dass manches, was wir für verinnerlicht haben, vielleicht gar nicht zu uns gehört.
Und gleichzeitig tragen wir diese Stimmen, Verhaltensweisen und Emotions- & Gedankenmuster längst in uns.
Aus einem „Warum kannst du nicht …?“ kann irgendwann ein inneres „Warum kann ich nicht …?“ werden. Aus Ungeduld mit uns wird unsere eigene Ungeduld. Aus Erwartungen werden Maßstäbe. Aus Kritik kann eine Art inneres Überwachungssystem entstehen, das ständig prüft, ob wir richtig sind.
Bei manchen Menschen richtet sich diese Energie stärker nach innen: Mit mir stimmt etwas nicht. Bei anderen richtet sie sich stärker nach außen: Mit den anderen stimmt etwas nicht. Minderwertigkeit und Überlegenheit sehen im Außen sehr verschieden aus, können aber erstaunlich nah beieinanderliegen. In beiden Fällen wird der Fehler zu etwas, das den Wert eines Menschen berührt.
Und genau dort möchte ich mit dem 18er tiefer gehen. Denn ein Urteil erzählt uns manchmal mindestens so viel über unsere eigene Geschichte wie über den Menschen, den wir gerade beurteilen.
Unsere Wahrnehmung findet nie ausschließlich im gegenwärtigen Moment statt. Wir begegnen dem Jetzt auch durch das, was in uns noch nicht vollständig verarbeitet und integriert ist.
Das bedeutet natürlich längst nicht, dass unsere Kritik falsch ist. Jemand kann tatsächlich eine Grenze überschreiten. Eine Beziehung kann tatsächlich ungesund sein. Ein System kann tatsächlich dysfunktional sein. Gerade der 18er besitzt die Fähigkeit, solche Bruchstellen sehr präzise wahrzunehmen.
Doch zu dem, was wir sehen, mischt sich oft etwas Altes hinzu.
Vielleicht erinnert uns die dominante Art eines Menschen unbewusst an eine frühere Erfahrung von Machtlosigkeit. Vielleicht löst eine erlebte Unzuverlässigkeit weit mehr aus, als die konkrete Situation erklären kann. Vielleicht macht uns die wahrgenommene Schwäche eines anderen so wütend, weil wir unsere eigene Verletzlichkeit irgendwann tief vergraben mussten.
Dann sehen wir gleichzeitig zwei überlagerte Wirklichkeiten: das, was jetzt geschieht, und das Echo dessen, was früher geschehen ist.
Das ist einer der Gründe, weshalb Urteile sich erstmal so überzeugend anfühlen können. In dem Moment, in dem etwas Altes in uns berührt wird, reagiert unser ganzes System. Der Körper spannt sich an, vielleicht steigt Ärger auf, Scham, Angst oder Abwehr, und der Verstand findet innerhalb kürzester Zeit eine Erklärung dafür. Plötzlich wissen wir ganz genau, was mit dem anderen nicht stimmt.
Urteilen kann dabei eine erstaunlich wirksame Distanz erschaffen. Solange ich damit beschäftigt bin, was mit dir nicht stimmt, muss ich nicht spüren, was deine Handlung in mir berührt.
Und Selbsturteil funktioniert ähnlich. „Ich bin falsch“ kann paradoxerweise leichter auszuhalten sein als die viel verletzlichere Erfahrung darunter: Ich bin traurig. Ich habe Angst. Ich brauche jemanden. Ich fühle mich allein. Ich wurde verletzt.
Deshalb reicht es selten, sich vorzunehmen, weniger zu urteilen. Viel interessanter ist der Moment davor. Was geschieht gerade in meinem Körper? Was wurde berührt? Welche Empfindung möchte ich vielleicht gar nicht fühlen? Und wie alt ist der Teil in mir, der gerade reagiert?
Manchmal verändert allein diese kleine wahrnehmungspause etwas. Wir müssen unser Urteil weder bekämpfen noch ihm sofort glauben. Wir können ihm zuhören und gleichzeitig tiefer lauschen.
Menschen mit einer starken 18er-Energie können hohe Standards haben. Sie sehen, wie etwas besser, klarer, ehrlicher oder stimmiger sein könnte. Das ist eine enorme Gabe. Doch wenn diese Fähigkeit durch alte Verletzungen gefiltert wird, kann aus dem Wunsch nach Verbesserung eine permanente Unzufriedenheit entstehen.
Nichts ist je wirklich gut genug.
Der eigene Körper nicht. Die Beziehung nicht. Die Arbeit nicht. Die anderen nicht. Die eigene spirituelle Entwicklung erst recht nicht.
Besonders schmerzhaft wird es, wenn diese Energie gegen uns selbst arbeitet. Dann entsteht eine innere Instanz, die jede Entwicklung sofort wieder vermiest. Kaum haben wir etwas verstanden, entdecken wir bereits die nächste Baustelle. Kaum verändert sich ein Muster, sehen wir schon das nächste, was es zu bearbeiten gilt. Selbst Heilung kann dann zu einem endlosen Korrekturprojekt werden.
Ich finde, hier berührt der 18er Key etwas sehr Wesentliches in unserer heutigen Bewusstseins- und Heilungskultur. Wir können so viel über Bindungsmuster, Trauma, Nervensystem, innere Kinder, Schatten und Prägungen herausfinden, dass wir irgendwann beginnen, uns fast ausschließlich durch die Linse dessen zu betrachten, was noch nicht geheilt ist.
Vielleicht besteht ein Teil von Heilung an einem Punkt darin, dass wir damit in dieser Form aufhören.
Wir können unsere Muster sehen und gleichzeitig den Menschen wahrnehmen, der diese Muster einmal gebraucht hat. Wir können Verantwortung übernehmen, ohne unsere Vergangenheit gegen uns zu verwenden. Und wir können erkennen, dass manches, was heute schwierig geworden ist, irgendwann eine intelligente Antwort auf eine Situation gewesen sein kann. Dann verändert sich die Qualität unseres Blickes. Die Präzision bleibt, doch die Härte beginnt zu schmelzen.
Die Gabe des 18ers ist Integrität. Das Wort wird schnell moralisch verstanden: jemand handelt richtig, hält seine Werte ein, ist aufrichtig und zuverlässig. Hier geht es für mich um etwas Tieferes.
Integrität hat hier mit Ganzheit zu tun. Die verschiedenen Teile unseres Menschseins dürfen wieder miteinander in Beziehung kommen.
Ich muss meine Verletzlichkeit nicht verstecken, um stark zu sein.
Ich muss meinen Ärger nicht abspalten, um liebevoll zu sein.
Ich kann meine Großzügigkeit kennen und meine egoistischen Impulse. Meine Klarheit und meine blinden Flecken. Meine Liebe und die Stellen in mir, die sich verschließen.
Das macht uns nicht makellos. Es macht uns vollständiger.
Und daraus entsteht eine andere Form von Kritik. Wir können weiterhin sehr genau sehen, wo etwas nicht stimmt. Vielleicht sogar genauer als zuvor. Doch wir brauchen immer weniger jemanden, der dafür falsch sein muss. Das verändert Beziehungen enorm.
Ich kann dir sagen, dass mich etwas verletzt hat, ohne deine ganze Person darauf zu reduzieren. Ich kann eine Grenze setzen, ohne dich innerlich vernichten zu müssen. Ich kann erkennen, dass meine Eltern mir etwas nicht geben konnten, ohne sie nur noch durch dieses Versagen zu betrachten. Und ich kann mir selbst eingestehen, dass ich einen anderen Menschen verletzt habe, ohne mir daraus die Identität „Ich bin ein schlechter Mensch“ zu bauen.
Der Integrität geht es weniger darum, wer falsch ist. Sie interessiert sich eher dafür, was wahr ist und was jetzt gebraucht wird.
Manchmal braucht es Verständnis. Manchmal eine Entschuldigung. Manchmal eine klare Grenze. Manchmal eine Trennung. Manchmal müssen wir etwas reparieren. Und manchmal besteht die Korrektur darin, endlich aufzuhören, etwas korrigieren zu wollen.
Viele unserer tiefsten Verletzungen sind in Beziehung entstanden. Wir wurden nicht gesehen, nicht verstanden, beschämt, verlassen, kontrolliert oder mit etwas allein gelassen, das für uns damals zu groß war, um es zu fühlen und zu verarbeiten. Deshalb werden diese vergrabenen Schichten häufig auch erst wieder so richtig in Beziehung berührt.
Das ist unbequem, weil wir gerne glauben möchten, wir hätten ein Thema irgendwann „bearbeitet“. Dann begegnen wir einem Menschen, der genau die richtige Stelle berührt, und plötzlich ist alles wieder da. Vielleicht ist das aber kein Rückschritt.
Vielleicht zeigt sich da etwas jetzt in einer Beziehung, weil wir heute viel mehr Kapazität haben, damit zu sein als damals.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied. Heilung bedeutet nicht unbedingt, dass alte Reaktionen nie wieder auftauchen. Sie kann darin liegen, dass wir ihnen heute anders begegnen. Dass zwischen Reiz und Reaktion ein wenig mehr Raum entsteht. Dass wir überhaupt bemerken, wann wir aus einer alten Erfahrung heraus sprechen. Dass wir zurückkommen können, wenn wir uns verloren haben.
Auch Verantwortung verändert sich dadurch. Selbstverurteilung sieht manchmal wie Verantwortungsbewusstsein aus, verhindert aber echte Verantwortung. Wer innerlich bei „Ich bin ein schlechter Mensch“ stehen bleibt, kreist weiterhin um sich selbst. Viel konkreter wäre: Was ist geschehen? Was war mein Anteil? Was braucht Anerkennung? Was kann ich reparieren? Was möchte ich künftig anders leben?
So bekommt Korrektur etwas Lebendiges. Sie dient wieder der Beziehung, dem Leben, dem Ganzen.
Ausserdem hat ja nicht jedes Muster mit uns begonnen. Familien tragen Geschichten weiter. Vieles oder Alles kann weitergegeben werden. Scham. Angst. Härte. Vorstellungen darüber, wie Männer oder Frauen sein sollen, was man fühlen darf, über Geld, Sexualität, Erfolg, Autorität oder Zugehörigkeit.
Ein Kind wächst in diese Atmosphäre hinein und erlebt sie zunächst als Realität. Es weiß nicht, dass die Angst der Mutter vielleicht eine Geschichte hat, die lange vor seiner Geburt begann. Es weiß nicht, dass die emotionale Abwesenheit des Vaters möglicherweise einmal sein eigener Schutz gewesen ist. Es spürt nur, was atmosphärisch da ist, und organisiert sich als Antwort darauf innerlich meist in irgendeiner Art schützend.
Später nennen wir vieles davon „meine Persönlichkeit“.
Wenn wir tiefer schauen, beginnen wir zu erkennen, dass wir Teil größerer Beziehungsfelder sind. Manche Reaktion gehört zu unserer eigenen Geschichte, manches wurde in unserer Familie lange vor unserer Geburt vorbereitet, und manches gehört zu kollektiven Erfahrungen, die weit über eine einzelne Familie hinausreichen.
Für mich liegt darin etwas sehr Entlastendes und gleichzeitig sehr Verantwortungsvolles. Wir müssen unsere Eltern nicht verurteilen, um zu erkennen, was uns verletzt hat. Wir müssen ihre Geschichte nicht entschuldigen, um sie verstehen zu können. Und wir müssen auch uns selbst nicht verurteilen, wenn wir entdecken, dass wir etwas weitergetragen haben, was wir eigentlich nie weitergeben wollten.
Irgendwann wird die Frage „Wer ist schuld?“ schlicht zu klein.
Die interessantere Frage lautet: Was möchte ich nicht weitergeben?
Vielleicht liegt darin eine der reifsten Ausdrucksformen des 18ers. Wir sehen die Muster-Kette und beginnen, an unserer Stelle darin bewusster zu werden.
Vollmond im Widder: Wenn etwas an die Oberfläche drängt
Gleich zu Beginn dieser 18er-Woche, am Samstag, 26. September um 18:49 Uhr deutscher Zeit, steht der Vollmond im Widder der Sonne in der Waage gegenüber.
Die Grundspannung passt sehr gut zu unserem Thema. Der Widder reagiert unmittelbar und will seinem eigenen Impuls folgen. Die Waage nimmt das Gegenüber wahr und fragt nach Beziehung und Ausgleich. Gleichzeitig steht Neptun sehr nah beim Mond. Dadurch bekommt dieser Vollmond eine ungewöhnlich durchlässige Qualität. Intuition, Sensibilität und ein Gefühl für größere Zusammenhänge können sehr stark sein, gleichzeitig können Projektionen, Idealisierungen und Missverständnisse leichter entstehen.
Gerade deshalb finde ich diesen Vollmond im Zusammenhang mit Gene Key 18 so interessant. Nur weil sich etwas in uns vollkommen wahr anfühlt, muss unsere Interpretation noch nicht die ganze Wahrheit sein.
Wenn alte Verletzungen berührt werden, können Gefühle absolut wirken. Der Körper reagiert auf etwas Reales, doch dieses Reale kann aus Gegenwart und Vergangenheit zugleich bestehen. Vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment, etwas länger bei einer Reaktion zu bleiben, bevor wir daraus eine Geschichte über einen anderen Menschen machen.
Auch Ärger und alte Wunden sind in dieser Vollmondkonstellation deutlich angesprochen. Etwas, das lange unter der Oberfläche lag, kann schneller hochkommen. Der Impuls, sich zu verteidigen, zurückzuschlagen oder endlich etwas auszusprechen, kann stärker sein. Das muss keineswegs falsch sein. Vielleicht braucht etwas tatsächlich eine klare Grenze. Vielleicht muss eine Wahrheit ausgesprochen werden. Vielleicht zeigt sich aber unter dem Ärger noch etwas anderes, das ebenfalls gehört werden möchte.
Der Vollmond bringt außerdem eine starke Veränderungsenergie mit. Uranus und Pluto sind harmonisch mit der Sonne verbunden, wodurch alte Sichtweisen überraschend aufbrechen können. Etwas, das wir lange auf eine bestimmte Weise gesehen haben, lässt sich plötzlich aus einem anderen Winkel betrachten.
Und vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieses Vollmonds: weniger schnell entscheiden, wer recht hat, und genauer wahrnehmen, was gerade sichtbar wird, weil es gesehen werden möchte.
Human Design: Tor 18 und die Gabe der Korrektur
Im Human Design liegt Tor 18 im Milz-Zentrum und bildet gemeinsam mit Tor 58 im Wurzel-Zentrum den Kanal 58–18, den Kanal des Urteilsvermögens. Tor 18 trägt den alten Namen „Arbeit am Verdorbenen“ und wird auch als Tor der Korrektur bezeichnet.
Ich mag diese ursprüngliche Sprache, weil sie etwas sehr Bodenständiges hat. Etwas ist aus der Ordnung geraten. Also schauen wir hin und arbeiten daran.
Tor 18 gehört zum kollektiven logischen Prozess. Es erkennt Muster und bemerkt, wo etwas seine Funktion verloren hat. Tor 58 bringt dazu den Druck zur Verbesserung und eine starke Verbindung zur Lebensfreude. In ihrer Verbindung entsteht eine Energie, die sehr genau wahrnehmen kann, wo etwas verändert werden müsste, damit wieder mehr Leben fließen kann.
Das kann sich ganz praktisch zeigen. Jemand erkennt einen Fehler in einem System, verbessert einen Ablauf und viele Menschen profitieren davon. Ein überliefertes Muster wird überprüft und angepasst. Eine Form, die einmal sinnvoll war, funktioniert heute nicht mehr und braucht eine Korrektur.
Schwierig wird es, wenn diese kollektive Fähigkeit persönlich wird. Aus „Hier funktioniert etwas nicht“ wird dann schnell „Mit dir stimmt etwas nicht“.
Deshalb gehört für mich zum reifen Ausdruck dieser Energie auch die Frage, welche Korrektur tatsächlich gebraucht wird und wann sie gebraucht wird. Nicht jeder Fehler verlangt unsere Intervention. Nicht jeder Mensch möchte unseren Verbesserungsvorschlag hören. Und manchmal sehen wir etwas völlig richtig und richten trotzdem Schaden an, weil wir es im falschen Moment, im falschen Ton oder aus der falschen inneren Haltung heraus aussprechen. Die Präzision des Gene Key 18 braucht Beziehung.
Gene Key 17: Wenn aus Wahrnehmung eine Meinung wird
Der Programmierungspartner des 18ers ist Gene Key 17: Meinung – Weitsicht – Allwissenheit.
Diese Verbindung finde ich besonders spannend. Der 18er entdeckt einen Fehler und der 17er bildet daraus eine Sichtweise. Aus einer Wahrnehmung wird eine Erklärung. Und irgendwann sehen wir die Welt durch genau diese Erklärung.
Das kennen wir wahrscheinlich alle. Wir halten einen Menschen für egoistisch und plötzlich fällt uns jedes egoistische Verhalten doppelt so stark auf. Wir glauben, dass jemand uns nicht respektiert, und jedes noch so kleine Detail wird zum weiteren Beweis. Wir haben eine Meinung über uns selbst entwickelt und finden über Jahre hinweg Material, das sie bestätigt.
So können Urteil und Meinung ein geschlossenes System bilden.
Weitsicht entsteht dort, wo dieses System wieder durchlässiger wird. Ich darf eine Perspektive haben, ohne sie mit der Wirklichkeit selbst zu verwechseln. Ich kann meiner Wahrnehmung vertrauen und trotzdem neugierig bleiben auf das, was ich vielleicht noch nicht sehe.
Gerade in unserer heutigen Welt halte ich das für eine ziemlich radikale Fähigkeit. Wir leben in einer Zeit, in der Meinungen permanent verstärkt werden. Wir bekommen immer mehr von dem zu sehen, womit wir ohnehin schon übereinstimmen. Man kann hier deshalb auch eine unbequeme Frage an uns selbst ableiten: Kann ich dieselbe kritische Intelligenz, mit der ich die Fehler der Anderen und der Welt erkenne, auch auf meine eigene Sichtweise anwenden?
Und dann führt dieser Gene Key zu einem Wort, das zunächst fast wie die endgültige Steigerung des Problems klingt: Vollkommenheit.
Wenn der Schatten bereits ständig Fehler sieht, könnte man meinen, das höchste Ziel bestünde darin, irgendwann keine mehr zu haben, doch genau hier dreht sich die Perspektive des 18ers vollkommen um.
Perfektionismus kann den Makel nicht ertragen. Vollkommenheit muss ihn nicht beseitigen.
Auf dieser Ebene geht es nicht mehr darum, eine fehlerfreie Version von uns selbst oder der Welt herzustellen. Die Sensibilität für das Unvollkommene verschwindet dabei keineswegs. Sie kann sogar noch feiner werden, denn wir sehen deutlicher, wo Menschen leiden, wo Systeme ihre Integrität verloren haben, wo etwas Heilung, Schutz oder Veränderung braucht. Aber der innere Kampf mit dem Fehler verändert sich.
Richard Rudd führt diese Qualität auf den Archetyp des Bodhisattva Bewusstseins zurück, das die Unvollkommenheit der Welt vollkommen sieht und sich gerade deshalb in ihren Dienst stellt. Nicht aus Verachtung für das, was falsch ist, sondern aus Liebe zum Ganzen.
Das ist für mich gefühlt einer der schönsten Aspekte des 18. Prinzips
Denn vielleicht ist Vollkommenheit gar kein Zustand, in dem endlich alles richtig geworden ist. Vielleicht hat sie etwas mit einer Wahrnehmung zu tun, die tief genug geworden ist, um auch das Zerbrochene innerhalb eines größeren Ganzen halten zu können.
Das ist keine Einladung, Leid zu verklären. Manche Dinge hätten nicht geschehen sollen. Menschen verletzen einander. Kinder erleben Dinge, die kein Kind erleben sollte. Beziehungen können zerstörerisch sein und gesellschaftliche Strukturen können enormes Leid verursachen. Integrität verlangt, dass wir das sehen und benennen.
Und trotzdem gibt es noch eine andere Ebene. Eine Narbe ist kein ursprüngliches Gewebe. Sie erzählt davon, dass etwas verletzt wurde. Und irgendwann gehört sie zum Körper.
Vielleicht ist das eine Annäherung an die Vollkommenheit des 18ers.
Wir müssen die Vergangenheit nicht umschreiben. Wir müssen unsere Wunden nicht schönreden. Wir können aufhören, unsere Existenz in richtige und falsche Teile zu zerlegen.
Dann verändert sich auch unser Blick auf andere Menschen. Wir sehen ihre Muster, ihre blinden Flecken und vielleicht sogar die Verletzungen, die sie verursachen. Doch irgendwo hinter all dem beginnen wir etwas wahrzunehmen, das durch diese Formen nicht vollständig beschädigt werden kann.
Und vielleicht verändert genau das auch unsere Fähigkeit zur Korrektur. Wir sehen, wo etwas Heilung braucht, und müssen immer weniger jemanden dafür verurteilen.
Vielleicht ist das die tiefste Bewegung dieses Gene Keys: das Unvollkommene berühren zu können, ohne die Vollkommenheit darunter aus den Augen zu verlieren.
Fragen für deine Kontemplation
Wo fällt dein Blick grade auf das, was fehlt, falsch läuft oder besser sein müsste? Und was geschieht in deinem Körper unmittelbar bevor daraus eine Bewertung oder ein Urteil wird?
Welche Stimme hörst du, wenn du dich selbst kritisierst? Wie alt fühlst du dich wenn du diese innere Stimme hörst, und wessen Maßstäbe werden da transportiert?
Gibt es etwas, das du an deinen Eltern oder früheren Bezugspersonen lange verurteilt hast und heute differenzierter sehen kannst, ohne deine eigene Erfahrung dadurch kleiner zu machen?
Wo braucht dein Leben gerade tatsächlich eine Korrektur? Und kannst du diese Korrektur aus Integrität vornehmen, ohne dich selbst oder einen anderen Menschen zum Fehler zu erklären?
Und vielleicht die tiefste Frage des 18ers: Was verändert sich, wenn du deine Unvollkommenheit nicht länger als Beweis dafür betrachtest, dass mit dir etwas nicht stimmt, und spürst, dass selbst deine Brüche Teil einer größeren Ganzheit sein könnten?
So weit für diese Woche..
In Delight
Markus